Bergbau in Sainscheid????
Gab es denn so etwas hier überhaupt?

Aber erst mal ganz langsam....Viele kennen noch die “Backofenkauten”, jene heute häßlichen Löcher in der Erde, die in vergangenen Jahren als wilde Müllkippen mißbraucht wurden. Dort wurden spezielle Steine gebrochen, die von den Gershasener “Ofenbauern” zu Backöfen usw. verarbeitet wurden. Die “Ofenbauerstraße” in unserem Nachbarort ist von dieser Arbeit noch ein Zeugnis. Der besondere Stein, ein Tuff, war in der Lage, lange Hitze und Wasserdampf zu speichern. Am Sengelberg bei Herschbach liegt übrigens auch das gleiche Mineral in der Erde. Auch Tonerde wurde hier in der Nähe gefunden und ebenfalls Braunkohle. Die Grube “Franziska” im Nachbardorf Guckheim, die heute auf Tonerde verliehen ist, war eine Kohlengrube. Das “Berghaus” am Ortseingang von hier aus kommend ist noch ein Relikt aus dieser Zeit.

Ein Blick in die heutige Tongrube “Franziska”. Die beiden Braunkohlenflöze sind etwa 30 cm und 50 cm dick und auf einer Länge von ca. 5 Metern aufgeschlossen.

Mehr Informationen finden Sie bei
www.westerwald-links.com unter der Rubrik “Westerwald” im Bereich “Geologie” (Cookies zulassen!) Schauen Sie bei Bergbau, Bodenschätzen und bei Kohle einmal rein.

Aus solchen Steinen wurden die Öfen gebaut. In den Poren wurde  Wasserdampf gespeichert und so langsam an das Backgut abgegeben. Im Siebengebirge wurde ein ähnlicher Stein gewonnen, aus Gründen des Umweltschutzes wurde der Abbau aber beendet. In Bell wurde ebenfalls ein solcher Stein gebrochen. In den 50-er Jahren hat der letzte Ofenbauer in Gershasen sein Handwerk aufgegeben..

Viele verstehen unter “Bergbau” nur die Suche nach Erzen unter der Erde. Ob hier in Sainscheid oder den angrenzenden Gemarkungen nach Erzen gegraben wurde, werde ich in Kürze noch weiter ausführen. Bisher habe ich von Erzgruben in Halbs und Winnen schon Hinweise. Karl-Heinz Krahm aus Alpenrod forscht seit Jahren nach alten Bergwerken hier im Westerwald. Er hat am 13. 11. 2002 im neuen Gebäude der Verbandsgemeinde Bad Marienberg einen sehr interessanten und aufschlußreichen Vortrag über den Bergbau im Westerwald gehalten. Herr Krahm ist Mitglied der GFH-Westerwald, der Gesellschaft für Heimatkunde, mit dem Fachgebiet des Bergbaus.

Hier eine kurze Zusammenfassung des Vortrags mit Bildern: 

Eine kleine Sammlung von original Werkzeugen, die teilweise vom Landschaftsmuseum Hachenburg zur Verfügung gestellt wurden. Danke!

Westerwälder Bergleute, die noch auf den Gruben gearbeitet haben. Sie waren von dem Vortrag ganz gefesselt. Schade, ich hätte mich mit den Herren noch gerne länger mit ihnen unterhalten.

Wirklich interessante Exponate, die Herr Krahm zusammengetragen und organisiert hat. Rechts sehen Sie ein Stück Eisenerz, das die Kompaßnadel doch schon ganz schön aus der Richtung bringt.

Bei soviel Information und Anschauungsmaterial darf natürlich weiterführende Literatur nicht fehlen. Bitte sehr!

Nach einer Einführung durch Karl Kessler von der Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald, ein Zweig des Westerwaldvereins, und einem Grußwort des Verbandsbürgermeisters (ganz links) war Karl-Heinz Krahm in seinem Element, dem Bergbau im Westerwald, das merkte man auch seinem Vortrag an, der mit viel Liebe und vor allem Sachkunde vorgetragen wurde.

Diese exotischen Formen sind reines Eisenerz, gefunden auf der Grube “Eisenkaute” bei Lautzenbrücken. Die Exponate stammen von einem ehemaligen Bergmann der Grube.

Das Stück Glaskopf links oder die Schlacken eines alten Schmelzofens aus der Nähe von Alpenrod, alles Zeugnisse des Westerwälder Erzbergbaus und der Verarbeitung.

Welch eine Quälerei muß das mit solch einer “Beleuchtung” unter Tage gewesen sein?

Herr Krahm hat das Leben der Bergleute beschrieben, die Lage von einzelnen Gruben und Halden. Viele Bilder rundeten den Vortrag ab. Ganz besonders gut beschrieb er die geologischen Verhältnisse, die den einstigen Bergbau erst ermöglichten. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wie viele Erzgruben es hier im Westerwald gab. Es wurde nach Spateisenstein, nach Brauneisenstein, nach Roteisenstein, nach Kupfer, Silber, Blei und anderen Erzen gegraben. Man kann dabei davon ausgehen, daß schon im 13. und 14. Jahrhundert der Bergbau im Westerwald begann. Frühe Schlackenfunde zeugen davon, verarbeitet wurde das Erz in sogenannten Rennöfen. Ein solcher wurde übrigens von Schülern nachgebaut und zum funktionieren gebracht, in einem Heft des Westewald-Vereins wird darüber berichtet. Was so ein “Bergmann” in früheren Zeiten verdient hat, gehörte genauso zum Vortrag wie die rechtlichen Verhältnisse, was die “Verleihung” von Schürfrechten usw. angeht. Ein sogenannter “Kuxschein”, ein Anteilsschein an einer Grube war ebenfalls zu sehen.

Der Bergbau auf Erze im Westerwald ist mittlerweile erloschen, in Bölsberg schloß die Grube 1921, die Eisenkaute 1930, die Grube “Georg” bei Horhausen, der Förderturm an der BAB A3 steht unter Denkmalschutz schloß 1965. Fakten, die wohl nicht mehr rückgangig zu machen sind. Vieles könnte ich noch von dem Vortrag schreiben, wer Interesse hat, kann sich mit mir in Verbindung setzen. Danke, Herr Krahm, für diesen tollen Vortrag! Wir warten auf den nächsten_!!!

Viel Arbeit steckte sicher im Vortrag, aber auch die wirklich sehenswerten Exponate haben sich nicht von selbst zusammengetragen!

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